Carlo Laeri

Zu Hause lagen viele alte Fotografien im Büchergestell. Die Faszination begann. Die digitale Fotografie kam meinem ungeduldigen Wesen entgegen. Eigentlich ersetzt mir die Kamera den Pinsel und die Palette.

Ein Bild der beiden Galerien entdeckte ich auf der Segantinistrasse in Bern, kurz vor meinem Zuhause. Die anderen entdeckte ich auf der Insel Sifnos, einer wunderbaren griechischen Insel.

Stille

Fotos sind Bilder. Bilder machen sichtbar. Sichtbar wird, was mich bewegt. Mich bewegt, was ich nicht verstehe. Um zu verstehen, brauche ich Stille. Wir machen uns auf den Weg.

Im schwarz markierten Text beschreibe ich die Fotografie. Im blau markierten Text beschreibt eine Betrachterin oder ein Betrachter, so wie sie oder er die Foto interpretieren könnte.

In der Ferne am Horizont eine Insel, sonnendurchflutete weisse Arkaden, einige feine Wolken am Himmel, ein fleckiger Topf kann die Stille nicht stören.

Auf dieser Foto kann ich die Stille sehen und auch spüren. Was würde sich verändern, wenn der Topf nicht dort stehen würde?

Eine weiss gestrichene Mauer aus Steinen. Davor steht eine alte Betonmischmaschine, alleine und still.

Warum steht dieser alte, verrostete Betonmischer vor der intakten Mauer? Funktioniert er noch oder verharrt er für immer in der Stille?

Durch ein Fenster einer Kapelle nach draussen schauen, die brennende Kerze spiegelt sich im Fensterglas, innen und aussen begegnen sich, still brennt die Flamme.

In einem Teller schwebt bei Sonnenschein in einem mit Wasser gefüllten Glas eine brennende Kerze. Eine verwirrende Stille ist das!

Asphaltbelag einer Strasse, ein runder Fleck, zwei sich berührende Striche aus Asphalt, wie Pinselspuren, ein blauer Streifen. Stille Zeugen alltäglicher poetischer Zufälle?

Ist vor der Stille mit einem Motorrad ein Unfall passiert? Der runde Fleck könnte von ausgeflossenem Oel stammen.

Zwei Steine, ein wenig Zement, zwei Bockshörner, noch zwei blaue Flecken. Der Ziegenkopf ist fertig, sinniert auf einer Betonplatte vor einer Wand. Archaische Erinnerungen. Stille Betrachtung.

Der steinerne Tierkopf mit echten Hörnern schläft nicht. Seine hellblauen Augen vermitteln Nachdenklichkeit.

Niemand schaut in die Ferne. Ein Stuhl, allein auf einem flachen Dach vor einer weissen Wand, nur ein Stuhl, sonst nichts. Stille.

Wie gelange ich zu dem Stuhl? Und wenn ich dort sitze, kann ich dann die Stille geniessen oder wird sie durch den Verkehrslärm gestört?

Wege

Auf dem staubigen Weg geht ein Mann mit Stock, neben ihm sein Maulesel. Seile hängen am Transportsattel, bereit, Waren zu befestigen. Wortlos gehen sie ihren Weg, nach Hause oder zur Arbeit.

Ein grauhaariger Mann marschiert mit seinem Maulesel vom Weg ab. Am Sattel sind Seile und Karabinerhacken befestigt. Wozu sind die nützlich?

Auf dem Weg, innehalten. Er hält mit der linken Hand seinen Hut. Auf der Insel weht oft der Wind. Die Fernsicht ist heute wieder sehr gut.

Jawohl, ich bin der Herr über diesen Weg. Wenn du bei mir angelangt bist, werde ich dich fragen: wohin des Weges?

Ein Weg führt über karge Hügel, neben einer Siedlung vorbei und verschwindet hinter den Hügeln. Doch, hier leben Menschen.

Es ist heiss und keine Erfrischung ist in Sicht. Meine Füsse sind müde. Soll ich den weiten Weg noch fortsetzen? Nein, ich kehre um.

Trockenmauern geben der Vegetation Halt und dem Weg Raum. Einige steinerne Treppenstufen trotzen den wuchernden Pflanzen. Warte nur, bald verdorrt noch mehr.

Nach jedem Schritt ändert sich die Landschaft. Liebliche Düfte wechseln sich ab und wirken belebend. Dieser Weg gefällt!

Terrassierte, sanfte Hügel. Trockenmauern ummauern Olivenbäume, gelbblühende Ginsterbüsche, es riecht nach Frühling. Mitten durch die Felder, ein durch Trockenmauern begrenzter Weg.

Wenn ich unten angelangt bin, werde ich dank den Mauern die den Weg flankieren, die Orientierung nicht verlieren. Warum hat es oberhalb des Weges viel weniger Mauern?

Die Treppe schmiegt sich an die Kirchenmauer. Eigentlich führt sie aufs Dach, wir denken weiter.

Achtung: Die Himmelstreppe hat unregelmässig hohe Stufen und kein Geländer. Um diesen Weg zu gehen, sollte man schwindelfrei sein.