Peter Utz

Ich lebe in Ostermundigen und setzt mich seit 45 Jahren in der Freizeit bildnerisch mit dem Thema Natur auseinander – mit ihrer Schönheit, aber auch ihrer Verletzlichkeit. Meine Fotografien sind beeinflusst von der Malerei. Mich interessieren gestalterische Wiedersprüche: zum Beispiel jene zwischen Detailgenauigkeit und Abstraktion. Ich bin aktives Mitglied des Kunstforums Ostermundigen.

Bisherige Ausstellungen: KUFEXPO Beer Holzbau (2025), Tertianum Ostermundigen (2025/26), Treffpunkt Tell Ostermundigen (2026).

Bernese Landscapes

erwandert und festgehalten in der Agglomeration Bern

Es gibt ihn nach wie vor, den Traum vom Eigenheim im Grünen. Hier wurde er ziemlich radikal umgesetzt: weit und breit keine Nachbarn (ausser vielleicht Kartoffelkäfer). Stringent die Ord-nung nicht nur auf dem Grundstück selber, sondern auch auf dem umliegenden Feld. Einer solchen Geometrie kann sich ein wandernder Fotograf natürlich nicht entziehen.

Da bleibt kein Stein auf dem Andern: das Bevölkerungswachstum löst zahlreiche Infrastruktur-bauten aus. Damit später alle ein wenig schneller von A nach B kommen, werden Bahnhöfe über Jahre zu Baustellen. Getröstet wird man zuweilen dadurch, dass sich daraus Bilder ergeben, die an Rothko erinnern.

Diese beiden Zeitzeugen am Wegrand scheinen darum zu streiten, wer denn nun das Vorrecht hat, die menschengemachte Grenze – wohl zwischen zwei Gemeinden – zu markieren. Beim Start hatte wohl der Grenzstein die Nase vorn, doch nun beginnt der Bergahorn ihn wegzu-stossen. Es bleibt zu hoffen, dass der Gemeindegeometer den Kampf (oder die Umarmung) noch lange toleriert.

Auch Freizeitindustrie hat ihre Ästhetik: Am Thunerseeufer sind Ruderboote aufgereiht, mit denen man die Jollen der Segelschule erreichen kann. Ob gewollt oder ungewollt ergibt sich eine schöne Parallelität – ein Kamm der Bootsenden vor der Stockhornsilhouette. Tourismusgerät meets Eternity.

Zwar schmelzen die Gletscher und der Schnee liegt jedes Jahr kürzer. Um blendend weisse Berge von nah zu bewundern, genügt aber heute ein Spaziergang an den Stadtrand. Die Silo-ballen der Viehalterinnen und Viehalter scheinen sich zu bewähren. Sowohl wirtschaftlich wie manchmal auch optisch – das fänden wohl auch Christo und Jeanne-Claude.

Wenn Warnschilder so blumig umsäumt sind, mildert das ihre abschreckende Wirkung doch ein wenig. Deshalb ein dringender Hinweis: im Gürbetal kämpft das Gelbe Steinkraut teilweise recht erfolgreich um Aufmerksamkeit. Ich wünsche Ihnen am Schluss dieser Bildserie also, dass Sie trotz Botanik die Kurve sauber hinkriegen.